Bally · 1982
Rapid Fire

Bally Rapid Fire ist ein im Juni 1982 veröffentlichter Arcade-Shooter der Bally Manufacturing Co. Obwohl das Gerät das Gehäuse, die Platinen und das Design eines klassischen Flippers nutzt, handelt es sich nicht um ein klassisches Flipper-Spiel, sondern um ein geschwindigkeitsbasiertes Ball-Schießspiel. Es wurde damals entwickelt, um die Lücke zwischen traditionellen Flippern und den aufstrebenden Videospielen der frühen 1980er-Jahre zu schließen.
Der Rapid Fire entstand als direkte Antwort auf den Konkurrenten Hyperball von Williams (1981). Das Design-Team bestand aus den Branchengrößen Dennis Nordman und Jim Patla sowie dem Softwareentwickler Rehman Merchant. Aufgrund des extremen Marktdrucks wurde das Spiel in einer Rekordzeit von nur sechs Wochen (statt des üblichen Jahres) entwickelt. Insgesamt wurden 5.000 Einheiten gebaut.
Im Inneren des Geräts befinden sich etwa 84 kleine Metallkugeln, die deutlich kleiner als normale Flipperkugeln sind (ähnlich den Kugeln aus den Automaten Ice Cold Beer oder Zeke’s Peak). Der Spieler blickt auf ein Spielfeld und steuert über zwei Griffe/Joysticks eine zentrale Kanone am unteren Rand. Damit schießt er die kleinen Metallkugeln in rasanter Geschwindigkeit auf beleuchtete Ziele und anrückende Feinde am oberen Ende des Spielfelds.
Es gilt, anrückende Panzer an den Seiten und Invasoren abzuwehren, die versuchen, zwei Basisschiffe zu besetzen oder das untere Ende des Spielfelds zu erreichen.
Über Tasten an den Griffen lässt sich ein Kraftfeld (Force Field) aktivieren, um gegnerische Schüsse abzuwehren.
Ein Panic Button (Panikknopf) zerstört im Notfall sofort alle aktuellen Angreifer auf dem Feld.
Schießt man eine bestimmte obere Lichtreihe ab, um das Wort “FRENZY” zu buchstabieren, schaltet das Spiel in einen Bonusmodus mit extrem hoher Punktzahl.
Wegen der extremen Ähnlichkeit zu Williams’ Hyperball nannten die Entwickler bei Williams das Bally-Projekt hinter vorgehaltener Hand spöttisch “Operation Xerox” (in Anlehnung an eine Fotokopie). Die Kanone feuert unter Volllast rund 14 Kugeln pro Sekunde ab. Da das System unter extremem Zeitdruck entwickelt wurde, kam es im Dauerbetrieb in den Spielhallen regelmäßig zu Defekten an der Kanonen-Baugruppe. Damit die Spule der Kanone durch das Dauerfeuer nicht überhitzte, verbaute Bally einen Lüfter, der permanent im Gehäuse lief, um das System zu kühlen. Die Kugeln wurden nach dem Abschuss über ein ausgeklügeltes Motoren- und Schienensystem direkt wieder zurück zur Kanone transportiert.
Ein Gerücht besagt, Patla wollte damals aus Sicherheitsgründen in jede Kassenbox der ausgelieferten Automaten direkt ein Ersatzgeschütz legen lassen. Das Management lehnte dies jedoch ab – mit der Begründung, man würde damit ja schon ab Werk zugeben, dass das Gerät fehlerhaft sei.
Heute gilt der Bally Rapid Fire unter Sammlern auf Plattformen wie dem Flippermarkt als seltenes und skurriles Sammlerstück, da nur wenige funktionierende Geräte die Jahrzehnte überdauert haben.
Im Vergleich zum Hyperball gibt es aber einige Unterschiede:
Williams Hyperball: Das Spiel orientiert sich an Space Invaders. Lichtpunkte (Aliens) kriechen an den Seitenbahnen nach oben, werden zu Blitzen und stürzen auf das Energiezentrum des Spielers zu. Man verteidigt sich ausschließlich durch das Abschießen der Lichter. Es verfügt zudem über ein alphanumerisches Display mitten im Spielfeld, das gezielte Aufgaben stellt (z. B. bestimmte Buchstaben treffen, um Wörter zu buchstabieren).
Bally Rapid Fire: Bringt durch das Force Field (Kraftfeld) eine taktische Defensiv-Komponente hinein. Der Spieler muss nicht nur angreifen, sondern mit den Daumentasten aktiv Schilde hochfahren, um die Schüsse der feindlichen Mutterschiffe abzuwehren. Es erfordert dadurch deutlich mehr Multitasking. Zudem gibt es neben dem Panikknopf eine zentrale, grüne “Laser-Kanone” für schwere Treffer.
Feuerrate: Rapid Fire schießt mit rund 14 Kugeln pro Sekunde dramatisch schneller als der Hyperball (~4 Kugeln pro Sekunde). Das sorgt beim Bally-Gerät für ein extremes “Maschinengewehr-Gefühl”, führte aber auch zu der erwähnten schnellen Überhitzung.
Sammler berichten oft, dass sich der Hyperball haptisch robuster anfühlt. Williams verbaute massive Metallgriffe, während Bally aus Kostengründen auf Kunststoffgriffe setzte.
Weil Bally das Gehäusedesign und die Idee fast eins zu eins kopierte, zog Williams im April 1982 vor Gericht. Das Gericht entschied jedoch zugunsten von Bally: Das reine Spielprinzip – das Schießen von Kugeln auf anrückende Feinde – sei nicht urheberrechtlich schützbar. Nur das konkrete Artwork (die Grafiken) war geschützt, und dieses unterschied sich beim Rapid Fire stark genug (es war deutlich farbenfroher und im Weltraum-Comic-Stil gehalten), sodass Bally das Spiel weiter verkaufen durfte.
Ein großer Vorteil des Bally Rapid Fire ist seine technische Plattform (Bally AS-2518-35). Da Bally über sechs Jahre hinweg dieselbe Platinenarchitektur für fast alle Flipper nutzte, kann man die Elektronikplatinen des Rapid Fire problemlos in normalen, hochpreisigen Bally-Flippern dieser Ära (wie Eight Ball Deluxe oder Centaur) als Ersatzteil verwenden. Der Hyperball nutzt hingegen ein stark modifiziertes Williams System 7-Board mit einer Custom-Treiberplatine, die mit kaum einem anderen Gerät kompatibel ist.
Bally war so überzeugt von dem Konzept, dass sie optimistisch rund 20.000 Gehäuse (Cabinets) vorproduzierten. Am Ende floppte der Rapid Fire in den Spielhallen jedoch grandios – nur knapp 5.000 Einheiten wurden überhaupt verkauft. Um die restlichen, völlig nutzlosen Gehäuse nicht verschrotten zu müssen, erfand Bally eine kreative Notlösung: Sie modifizierten die Gehäuse leicht und bauten darin Sonderauflagen ihrer extrem erfolgreichen Flipper-Klassiker wie Centaur II und Eight Ball Deluxe LE (Limited Edition) auf. Wer heute einen Centaur II besitzt, spielt also eigentlich auf den Überresten des Rapid-Fire-Flops.
Das ungewöhnliche, futuristische Gehäusedesign des Rapid Fire stammte von Dennis Nordman, der damals frisch als Gehäusedesigner bei Bally angefangen hatte. Weil seine modernen, keilförmigen Kabinetts (zu denen auch der Rapid Fire zählte) kommerziell nicht gut ankamen, wurde Nordman nach weniger als einem Jahr direkt wieder entlassen.
Die Ironie der Geschichte: Während er arbeitslos war, entwarf er aus Spaß das Konzept für einen Flipper zum Film Rambo. Als die Bally-Chefs das dazugehörige Werbeposter sahen, waren sie so begeistert, dass sie ihn sofort wieder einstellten. Aus dem Rambo-Entwurf wurde schließlich der bekannte Flipper Special Force (1986), und Nordman stieg zu einer absoluten Designer-Legende der Flipperszene auf.


