Gottlieb · 1977
Cleopatra
Der Cleopatra leitete bei Gottlieb eine neue, digitale Ära ein. Er war der erste elektronische Flipper von Gottlieb. Lange Zeit hatte man sich der neuen Technik verschlossen und weiter mechanische Geräte gebaut. Selbst als alle anderen Hersteller die Fertigung mechanischer Geräte schon längst eingestellt hatten. Immer mehr Marktanteile verlor Gottlieb an die Konkurrenz bevor man mit dem Cleopatra spät auf diesen Zug aufsprang.
Dabei beschäftigte man sich schon lange Zeit vorher bei Gottlieb mit der neuen Technik. Schon Anfang 1976 wurde über digitale Flipper diskutiert. Mit Allan Edwall und Tom Defotis wurden sogar zwei junge Elektroingenieure eingestellt und auch die Zusammenarbeit mit Rockwell wurde zu dieser Zeit eingeleitet. Aber leider wurde Gottlieb auch 1976 von Columbia Pictures übernommen, die zwar die enorme Werbekraft der Flipper für ihre Filme erkannte, Stichwort Merchandising und Lizenzflipper, aber nicht bereit waren in die Firma Gottlieb oder neue Technik zu investieren. Erst als es schon fast zu spät war sprang man im November 1977 doch noch auf den fahrenden Zug auf. Aber da war aus dem ehemaligen Marktführer schon nur ein Mitläufer geworden.
Der Cleopatra wurde in einer elektronischen und in einer mechanischen Version gebaut. Die elektronische Version war mit 7300 Maschinen wesentlich erfolgreicher als die mechanische Version mit 1600 Maschinen. 1978 erschien sogar noch eine mechanische Zwei-Spieler Variante des Cleopatra unter dem Namen Pyramid. Auch diese wurde noch 950-mal verkauft.
Einen Großteil der Werbung für den Cleopatra widmete Gottlieb der Technik. Eine ganze Seite wurde zum Beispiel dazu genutzt Rockwell, den Hersteller des Hardwaresystems vorzustellen. Dabei stellte man Rockwell als Universellen Hersteller der Elektronik vor, mit Einsatzgebieten wie Raumfahrt (Space Shuttle und Raketensysteme), Automobilindustrie (Telemetrik, Navigation, Steuerung), Industriesteuerungen und Consumer Electronics. Dies sollte wohl vor allem Vertrauen in die Gottlieb Technik aufbauen. Ganz besonders wurde auch auf die Displays der Gottlieb Flipper hingewiesen. Diese sind ja im Gegensatz zu allen anderen Herstellern blau. Laut Gottlieb wirken sie wie ein Leuchtturm in der Aufstellung und locken die Spieler an. Auch das Selbsttestprogramm der Gottlieb Flipper wurde ausführlich vorgestellt, obwohl es auch da keine großen Unterschiede zu anderen Herstellern gab.
Thematisch dreht sich der Flipper um Cleopatra. So sind denn auch auf dem Backglas und dem Spielfeld jede Menge ägyptischer Hieroglyphen, Sphinxen und Symbole zu sehen. Das Spielfeld des Cleopatra ist absolut symmetrisch aufgebaut. Am oberen Ende finden wir 5 Lanes, die jeweils unterschiedlich beleuchtet sind. Durchläuft die Kugel eine dieser Bahnen, wird die entsprechende Lampe in der doppelten Bonusreihe erleuchtet. Vier dieser Lampen finden wir auch an den Out- und Inlanes wieder. Auch diese beleuchten die entsprechende Lampe der Bonusreihe. Unter den Lanes finden wir eine dreifach-Schlagturmgruppe und direkt darunter eine fünffach-Droptarget-Einheit. Auch die Ziele dieser Einheit haben verschiedene Farben. Werden diese getroffen, wird die entsprechende Lampe auf der anderen Seite der doppelten Bonusreihe erleuchtet. Wenn nun beide Lampen derselben Farbe erleuchtet sind, erhält der Spieler am Ballende de entsprechenden Bonus. So werten zum Beispiel die grünen Lampen 1000 Bonuspunkte, die blauen 3000 und die roten 5000 Punkte. Insgesamt kann der Spieler so 15000 Bonuspunkte erreichen.
Links und rechts neben der Droptargetbank ist jeweils ein Kugelfangloch abgebracht. Jedes dieser Kugelfanglöcher beleuchtet jeweils ein halbes Insert, wenn es von der Kugel getroffen wird. Sind beide Hälften beleuchtet, erhält der Spieler den Doppelbonus.
Knapp unterhalb der Kugelfanglöcher gibt es auch noch ein einzelnes Target. Hat der Spieler entweder alle Drop Targets getroffen oder alle Lanes durchlaufen, so kann er hier einen Extraball erhalten. Hat er beides (Targets und Lanes) geschafft, so gibt es hier ein Freispiel.
Alles in allem merkt man dem Cleopatra seine mechanische Vergangenheit an, zumal mit Ed Krynski (Design) und Gordon Morrison (Künstlerische Gestaltung) auch das Designer Gespann der Gottlieb EM-Ära diesen Flipper entworfen hat
Aus der alten Seite übernommen, von Frank noch nicht gegengelesen.
[Bilder in Originalgröße folgen von Frank: Cleopatra_back.jpg, Cleopatra_playfield.jpg, Cleopatra_machine.jpg]